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Unterricht planen

Haeggar sitzt in seinem Arbeitszimmer unter dem Giebel seines Reetdachhauses. Er sieht, wie der omnipräsente Wind die Birken am Ufer des Kanals biegt. Kinder im Friesennerz lassen Steine über das dunkelbraune, moorige Wasser hüpfen. Haeggar lenkt seinen Blick zurück auf das Mathe Lehrmittel vor ihm - er muss die nächste Woche vorbereiten.

Er liest die Hinweise im Begleitordner durch und verteilt dann den Stoff auf die vorgesehene Anzahl Lektionen. Als Abschluss des Themas wird dann der Test durchgeführt, der als Kopiervorlage praktischerweise mitgeliefert wird. In diesem Rhythmus wird er bis zum Sommer alle Themen behandelt haben.

In Deutsch lässt er seine Schülerinnen und Schüler wieder das seit Jahren bewährte Lernheft "Märchen" bearbeiten.

In Naturkunde setzt er die Werkstatt zum Thema "Weltnaturerbe Wattenmeer" ein, die er sich im Internet runtergeladen hat.

Zufrieden mit seiner Planung schenkt er sich eine Tasse Ostfriesentee ein, lässt langsam ein bisschen Rahm einlaufen und beobachtet fasziniert die schwungvollen Muster, die sich bilden.



So oder ähnlich sieht die Vorbereitungspraxis nicht nur von Haeggar aus. Sie passiert aus der Sicht des Lehrens. "Wie packe ich das vorhandene Lernmaterial in den Lektionenraster der nächsten Woche."

Und wie sieht die dazugehörige Theorie aus? In der "Handreichung Schullaufbahn" vom Amt der Volksschule des Kantons St.Gallen (stellvertretend wohl für andere Handreichungen im deutschsprachigen Raum) wird das so beschrieben.



Der Lehrplan Volksschule bestimmt die Bildungsziele, die im Laufe der obligatorischen Schulzeit zu bearbeiten sind. Dieser Bildungsauftrag ist in Form von Kompetenzen ausformuliert.

Der Lehrperson ihrerseits obliegt es nun, diese Kompetenzen in Form von Lernzielen zu konkretisieren. Sie überlegt sich im Folgenden, mit welchen Aufgaben, Übungsformen, Lernarrangements, Projekten ... diese Lernziele verfolgt und erreicht werden können. Am Schluss einer Sequenz muss dann der Erreichungsgrad ermittelt werden.

Diese Art der Unterrichtsplanung geht also vom Lernen aus, was ich für den nachhaltigeren Weg halte.


Wir sollten die verwendeten Lehrmittel und Lernmaterialien dahingehend prüfen, ob sie die angestrebten und lehrplanbezogenen Lernziele unterstützen.


Nicht das Lehrmittel sondern der Lehrplan sollte die Leitplanke sein.

(Das eröffnet auch Freiheiten.)



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