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Lernen ist Beziehungssache (C3)

Haeggar, der XXL Friese, weiss die Ruhe durchaus zu schätzen, und deshalb konnte er dem Fernunterricht auch etwas Gutes abgewinnen. Aber ein Schulhaus ohne das Gewusel der Kinder ist auf Dauer wie Küste ohne Wind und Möwen. Und deshalb freut er sich auch auf Morgen, denn dann kommen die Lütten zurück und füllen die Bude mit Reden, Lachen und gelegentlichem Schreien.


Kapitel 11.3

Lernen auf sich allein gestellt bedeutet, sich entwickeln auf der Basis von Versuch und Irrtum. Effizienter ist es, wenn man etwas nachahmen kann, oder wenn man jemanden hat, der einen anleitet. Und in der Schule ist das in den meisten Fällen die Lehrperson. „Lehrerinnen und Lehrer sind sehr notwendig“ sagt der Hirnforscher Roth (2016) als Einleitung zu seinem Referat. Und er ergänzt: „Lehren und Lernen sind eine Frage des Vertrauens.“

Und welche Eigenschaften soll die Person haben, der man Vertrauen schenkt und deshalb die Anstrengung in Kauf nimmt? Roth (2016) nennt: fachliche Kompetenz, Selbstvertrauen, Gerechtigkeit, Glaubwürdigkeit, Feinfühligkeit. Und diese Glaubwürdigkeitsprüfung geschieht sehr schnell und unbewusst. Wohin geht der Blick des Gegenübers und was drückt er aus? Schaut er die Schülerinnen und Schüler an oder über sie hinweg? „Dazu muss man wissen, dass der positive, freundliche Blick für unser Gehirn mit die grösste Belohnung ist, die es überhaupt gibt.“ (Roth 2016) Das Belohnungssystem springt an und schüttet Stoffe aus, die sich wiederum positiv auf die Aufmerksamkeit auswirken. Im Weiteren werden auch Gestik und Mimik, Sprachführung und -melodie ins Kalkül miteinbezogen.

Beziehung meint in Bezug auf Lernen aber mehr als das Verhältnis zwischen Lernenden und Lehrenden. Es geht auch um das Relationsgeflecht innerhalb der Lerngemeinschaft.

Und ganz wichtig ist auch die Verbindung zwischen der lernenden Person und dem Lern-gegenstand. „Lern- und Lebenserfolg stehen und fallen mit der Beziehung – der Beziehung zu sich selber, der Beziehung zu anderen und der Beziehung zu den Dingen, um die es geht.“ (Müller 2013) Und je mehr man persönlich betroffen ist, je eigenständiger man handeln darf, umso enger ist die Beziehung, umso grösser ist das Engagement.


Den Beziehungsebenen kam in Zeiten des Fernunterrichts eine grosse Bedeutung zu. Während sich die Beziehung zur Lehrperson in der Regel reduzierte, nahm die Beziehung zur 'Heim-Lehrerin' (meistens die Mutter) zu. Während in den einen Familien spannende Projekte umgesetzt wurden, lagen andernorts ab und zu die Nerven blank.

Ich denke schon, dass die 'Gewaltentrennung' Schule-Elternhaus Sinn macht. Eltern sollen ihre Kinder als Töchter und Söhne behandeln, wertschätzen und lieben. Um die Kinder als Schülerinnen und Schüler kümmern sich die Lehrpersonen. Deshalb wird die Situation daheim ab morgen wieder entspannter.

Lernen hat natürlich ganz intensiv mit der einzelnen Person zu tun - aber Lernen ist oft eingebettet in eine Gemeinschaft. Das Imitieren, das Besprechen, das Argumentieren, das war in Zeiten des Lockdown sehr eingeschränkt. Und dieser soziale Kontakt hat vielen Kindern und Jugendlichen gefehlt.

Auch im Bezug auf die Beziehung zum Lerngegenstand lässt sich Verschiedenes beobachten. Einerseits bekamen die Lernenden von der Schule klar umrissene Aufgaben mit wenig Spielraum für Eigenständigkeit oder persönliche Betroffenheit. Andererseits habe ich aber viele Arbeiten gesehen, die die Kinder freiwillig gelöst oder sich sogar selber gestellt haben - zweifellos mit hohem Engagement.

Wir haben in diesen Wochen des Fernunterrichts einige Schülerinnen und Schüler von einer anderen Seite kennen gelernt. Auch die wenigen Kontakte waren immer geprägt von Freude und guter Stimmung, und sie zeigten auf wie wichtig die Beziehungen sind.


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